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Stell dir vor es ist Krieg ...

 Berend Lange schrieb am  11.04.2010 in  Horizonte,Gesetz der Anziehung,Zitate


Jeder meint, dieses Zitat zu kennen; friedliebende Zeitgenossen wie ich bringen es gerne an, wenn die Nachrichten wieder mal eine besonders widerliche Seite des Krieges zeigen, um die Sinnlosigkeit nationaler Konflikte hervorzuheben:

"Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin."

Es wird Bertolt Brecht zugeschrieben, aber das ist umstritten - wie der Wortlaut selbst, denn es gibt auch eine erweiterte Version, die den Sinn genau ins Gegenteil verkehrt:

"Stell dir vor es ist Krieg, und keiner geht hin -
dann kommt der Krieg zu euch."

Als Zeitzeuge gleich zweier Weltkriege war Brecht erklärter Kommunist, aber in erster Linie Schriftsteller und moderner Philosoph - daher kann ich mich besonders mit der längeren Version identifizieren, von der ich erst jetzt am Donnerstag bei einem Vortrag in Treffpunkt Philosophie erfuhr.

Warum ist es richtig, dass man dem Krieg letztendlich nicht ausweichen kann?

Klar wird das, wenn man das Wort 'Krieg' durch den weiter gefassten Begriff 'Konflikt' ersetzt; fast alle Mitteleuropäer, die heute jünger als 65 Jahre sind, haben nie einen Krieg bewusst selbst erlebt ... aber jede Menge Konflikte bewältigt.

Du weißt - wie ich - dass es ein Leben ohne Konflikt nicht gibt; wenn mehr als 6 Milliarden Menschen auf dieser Erde individuelle Wünsche haben, dann entstehen daraus jeden Tag zwangsläufig Konflikte, die irgendwie in Einklang gebracht werden wollen; und je weiter die Vorstellungen auseinander gehen, desto rabiater werden die Mittel zur Durchsetzung der eigenen Wünsche gegen den Nachbarn.

Heraklit wusste das schon vor 2500 Jahren: "Der Krieg ist der Vater aller Dinge."

Er hat erkannt, dass sich auf diesem Planeten ohne das universelle Gesetz der Polarität, ohne Gegensätze und Auseinandersetzung nichts entwickelt; alles in der Natur muss fließen, sich bewegen, wachsen; Stillstand ist unmöglich im Leben - was aufhört zu wachsen fängt an zu sterben.

Als friedfertiger Mensch bin ich auch nicht sonderlich konflikt-freundlich, eher das Gegenteil - aber wenigstens lerne ich ständig etwas Neues hinzu und wachse.    

Brecht liegt meines Erachtens ganz richtig: jeder hat Konflikte im täglichen Leben ... es ist immer 'Krieg'; und ihn vermeiden zu wollen hat keinen Zweck - früher oder später holt er dich ein.

Ich habe jetzt jedenfalls beschlossen, meinen Konfrontationen nicht mehr so oft aus dem Wege gehen ... sondern sie mutig anzupacken; aufgeschoben ist nicht aufgehoben. 


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   Kommentare zu diesem Blogpost:

Dominique schrieb am 11.04.2010:

Bei jedem neuen Newsletter frage ich mich immer wieder, wie macht es der Berend, JEDESMAL haargenau das Thema zu treffen, das mich gerade persönlich beschäftigt? Ich bin einem Forum tätig und da war gerade mal "Krieg" ausgebrochen. Mein erster Reflex war es weglaufen, da ich nichts mit der Sache zu tun haben wollte. Und dann habe ich mich der Sache gestellt. Kurz danach kam dein Newsletter bei mir an! Das Gesetz der Anziehungskraft ist wirklich erstaunlich. Als ich mich bei Dir angemeldet hab, war es in der Hoffnung Anworten und Anregungen, die mir persönlich weiterhelfen, zu finden. Das klappt ganz toll.

Martin schrieb am 11.04.2010:

Ohne Krieg kein Frieden - ohne Frieden kein Krieg

"Immer geht einem Krieg eine Unterdrückung von Aggressionen oder von Gewalt voraus, und ihr wißt, daß in den Gebieten, in denen jetzt Konflikte zum Ausbruch gekommen sind, jahrzehntelang alle Manifestationen explosiver Aggression unterbunden wurden durch totalitäre Systeme, die alles bestraften, was gegen sie gerichtet war.

Nicht vorher war Frieden und jetzt ist Krieg, sondern vorher war Unfrieden und jetzt wird der Konflikt, der damals entstanden ist, ausgetragen. Aber die Konflikte selbst sind sehr viel älter."

Quelle: Frank Schmolke, Varda Hasselmann: Weisheit der Seele, S. 157

 

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